"Einfach mal riechen, wie Holz riecht"
Eröffnung: Auf dem Naturerlebnispfad in Goddelau soll man mit allen Sinnen Natur erleben und sich von der Geschichte anregen lassen
Der "Goller Erlebnispfad Altes Neckarbett", der hinter dem Sportplatz am Goller Wäldchen beginnt, wurde am Samstagnachmittag seiner Bestimmung übergeben: Riedstadts Umweltdezernent Norbert Schaffner durchtrennte für die etwa 100 Wartenden das rot-weiße Flatterband.
Ausgehend von einer Diplomarbeit an der TU Darmstadt, wurde dieser rund 3,5 Kilometer lange Pfad im Rahmen eines Agendaprojektes von Riedstädter Bürgern, Goddelauer Schulen und unter Beteiligung des Philippshospitals, des Naturschutzbundes (Nabu) und des Odenwaldklubs konzipiert und von etwa 20 Instituten und Einzelpersonen finanziell und sachbezogen unterstützt.
"Der Pfad lädt Sie ein, mit allen Sinnen die Natur zu erleben und sich von der geschichtlichen Entwicklung des Ortes anregen zu lassen", umschrieb Barbara Stowasser vom Agendabüro das Projektziel. Erleben heiße dabei nicht nur, Tafeln zu lesen, sondern aufmerksam zu sein für die Begegnungen mit dem Boden, dem Wasser, den Pflanzen und den Tieren. Etwa, wenn ein Baumstamm am Wege liegt, "einfach mal riechen, wie Holz riecht ? säuerlich, würzig?".
Gerhard Eppler, der die Besucher über die einzelnen Pfadstationen führte, machte es vor. Er zeigte, wie das Alter des Baumstammes bestimmt werden kann ? an den Jahresringen. Eine nebenstehende Informationstafel lieferte die Jahresereignisse dazu: Das Pflanzjahr war zugleich Todesjahr von Georg Büchner; im Jahr 1996 wurde der Baum gefällt, zugleich Beginn von Riedstadts Arbeit an seiner Lokalen Agenda.
An einem Balancierbalken und am Baumxylofon vorbei, führte Eppler, der die Agendaarbeit moderiert hatte, die Besucher zum "Eichhörnchentelefon": Dicke, teils ausgehöhlte Baumstammabschnitte, die Schallgeräusche verstärken. Bei der nächsten Station, dem "Barfußpfad" könne man die Sinne wieder trainieren, die vielfach im Fernsehsessel verkümmern, auch mit verbundenen Augen, erläuterte Eppler. Einige Kinder machten es sofort vor und waren begeistert bei der Sache.
Fast unbemerkt gab der am Wegesrand wachsende Nelkenwurz seinen mit Kletten besetzten Samen an die vorbeistreifenden Hosenbeine der Besucher ab. Diplombiologe Eppler machte die Kinder darauf aufmerksam und erläuterte ihnen spielerisch, wie sich Pflanzen verbreiten ? auch das ein Teil des Erlebnispfades.
"Wie viel Lebewesen sind in einer Handvoll Erde?" Auf einer Freifläche waren Sand, Lehm- und Humus ausgebracht; eine Infotafel stellte dazu anregende Fragen und gab Antworten. Weitere Stationen wiesen auf Funktion und Nutzen der für die ehemalige Neckarschlinge typischen Schwarzerlen und Korbweiden hin.
Ein Goddelauer Heimatforscher erinnerte mit einer Wegestation an Funde aus der Römerzeit und besondere Nachkriegsereignisse. An der Stelle, wo vor rund 30 Jahren Reste von Römerbrücken ausgegraben wurden, informierte eine Tafel. Des Weiteren gab es Informationen zum Wandel in der Landwirtschaft, zum Torfabbau oder etwa zu den Wasserständen vor 1000 Jahren. Zusammen sind es etwa 30 besondere Stationen, die auch auf einem Faltblatt, das in den Ortsteilverwaltungen ausliegt näher bezeichnet sind; der Flyer ist als Wegweiser geeignet.
Am Samstag konnten Kinder auf einem nahe liegenden Acker beim Kartoffelausgraben helfen und anschließend diese im Lagerfeuer rösten. Hornisten des Kreisjägervereins Groß-Gerau spielten und erläuterten Waldhornsignale, der Nabu hatte verschiedene Nisthilfen ausgestellt. Wie geht es weiter? Ein Plakat gab die Antwort. Im Oktober ist ein weiteres Treffen der Projektgruppe, im November sollen Obstbäume angepflanzt werden, im nächsten Frühjahr wird der Erlebnispfad komplettiert.
Weitere Informationen zur Agendaarbeit, gibt es telefonisch unter der Rufnummer 06158 181-701 oder -702.
Darmstädter Echo, 22.09.2003
