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Infiltration und und Entwässerung

Grundwasser im Ried: Darmstädter Professor fordert flexible Wasserbewirtschaftung, die Siedlungen berücksichtigt

RIEDSTADT. Professor Wilhelm Urban vom Institut für Wasserversorgung der Technischen Universität Darmstadt hat eine Fortschreibung des Grundwasserbewirtschaftungsplans für das Hessischen Ried gefordert. Besonders der Schutz vor hohen Grundwasserständen und der Schutz der Wasserqualität müssten darin aufgenommen werden.

Am Rande eines wissenschaftlichen Seminars in Darmstadt sagte Urban, der Bewirtschaftungsplan von 1999 sei gegen zu niedrige Grundwasserpegel entwickelt worden; er könne nicht gegen Hochstände wie in der gegenwärtigen Nässeperiode helfen. Man müsse zu einer langfristigen, regional und zeitlich flexiblen Grundwasserbewirtschaftung kommen. Obwohl wegen der anhaltend nassen Jahre schon seit 1999 kein aufbereitetes Rheinwasser mehr ins Grundwasser im Ried infiltriert werde, begrüßte Urban Planungen für eine neue Infiltrationsanlage bei Biebesheim: "Eine neue Trockenperiode kommt bestimmt." Gleichzeitig müssten aber Maßnahmen für zu hohe Grundwasserspiegel festgeschrieben werden. Lokal könnten dazu etwa Teile des verfallenen Entwässerungsnetzes aus den dreißiger Jahren restauriert werden. Hingegen könne man die Wasserwerke bei einem Rückgang des Wasserverbrauchs um 20 Prozent in den vergangenen zehn Jahren nicht zwingen, mehr Wasser zu entnehmen.

Zur Verbrauchssenkung haben laut Urban Wasser sparende Haushaltsgeräte und besonders die von der ehemals rot-grünen Landesregierung eingeführte (und derzeit auslaufende) Grundwasserabgabe beigetragen. So habe etwa die Firma Merck ihre Grundwasserförderung von sieben Millionen Kubikmeter auf gut vier Millionen gesenkt. Die vom Unternehmen angestrebten drei Millionen Kubikmeter pro Jahr seien allerdings wasserwirtschaftlich das Minimum, "sonst müsste das Regierungspräsidium selbst Wasser pumpen".

Bei der unzureichenden Sicherung von Kellern in Neubaugebieten sind laut Urban während der Trockenperiode "Fehler gemacht" worden, "aber man kann die entstandenen Fakten nicht mehr wegdiskutieren". Wegen der zunehmenden Bevölkerung im Ried, der Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiete und zusätzlichem Verkehr auf Autobahnen, Straßen und der geplanten ICE-Trasse, werde sich der Interessenkonflikt zwischen dem Erhalt von Feuchtgebieten und der Vermeidung wirtschaftlicher Schäden durch den schwankenden Grundwasserspiegel verschärfen.

Stärker als bisher sei daher eine Landes- und Regionalplanung nötig, die auch in Kommunalsatzungen umgesetzt werde. Nötig sei ein demokratisch hergestellter Konsens aller Interessengruppen. Urban hofft dabei sowohl auf die Agenda 21 als auch die Regionale Starkenburg, die die Wasserwirtschaft zu einem von fünf Schwerpunktthema im kommenden Jahr ernannt hat.

Zu wenig beachtet werde bisher die Grundwasserqualität, die im Ried lokal durch Pestizide aus Landwirtschaft, Gärtnereien und Kleingärten beeinträchtigt werde. Ein flächendeckendes Problem sei die Belastung mit Nitraten, die nur in der gegenwärtigen Nässeperiode stark verdünnt würden. Um die EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen, die die Minimierung aller vom Menschen eingebrachten Schadstoffe festschreibe, müssten noch mehr Vereinbarungen zwischen Bauern und Wasserwerken zum sparsamen Düngereinsatz getroffen werden. Diese müssten über die Wasserschutzgebiete hinausgehen und auch kontrolliert werden.

Darmstädter Echo, 25.10.2002