Einmal gut ausgelastet
Nachtbus: Probebetrieb an September-Wochenenden zeigt der AG "Öffentlich noch mobiler", wie der Bedarf an zusätzlichen Verbindungen von und nach Darmstadt ist - Alternative: Sammeltaxi
Bei außergewöhnlichen Veranstaltungen in Darmstadt oder Griesheim lohnt es sich, nachts von der Straßenbahnendhaltestelle in Griesheim aus einen Bus in die Riedstädter Ortsteile fahren zu lassen. Dies ergab ein Testbetrieb an den vier September-Wochenenden, den die Agenda-Projektgruppe (AG) "Öffentlich noch mobiler" organisiert hatte; der Testbetrieb wurde überwiegend vom Riedstädter Gewerbe gesponsert. Hauptziel des Projekts ist, Riedstädter Jugendlichen eine sichere Heimfahrt zu ermöglichen.
Die AG, die sich die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zum Ziel gesetzt hat, wollte mit dieser vorgezogenen Aktion einem Wunsch der Riedstädter Jugendlichen entsprechen. In einer Umfrage in der Martin-Niemöller-Schule hatten die Schüler kritisiert, dass es nachts nach einem Kino- oder Disco-Besuch keine öffentliche Verbindung nach Riedstadt gebe.
Beim Testbetrieb der AG im September wurde der Shuttle-Bus (Start: 1.35 Uhr ab Griesheim) an den ersten drei Wochenenden von jeweils weniger als zehn Jugendlichen benutzt. Am vierten Septemberwochenende - in Griesheim war Zwiebelmarkt - fuhren 43 Fahrgäste mit dem Nachtbus nach Riedstadt. Um die Nachfrage an den ersten drei Wochenenden abzudecken, hätte somit ein Anruf-Sammeltaxi ausgereicht.
Der Grund für die mangelhafte Busnutzung an den ersten drei Septemberwochenenden liege vermutlich nicht nur am fehlenden Top-Ereignis in Darmstadt oder Griesheim, sondern auch daran, dass der Bus zur falschen Zeit gefahren sei, ergab die Ursachenforschung am Dienstag in der jüngsten AG-Sitzung. Für die jugendlichen Discobesucher - die erst gegen 22 Uhr nach Darmstadt fahren - sei das Busangebot für die Rückfahrt zu früh gewesen, hätten Jugendliche und auch Discobetreiber in Darmstadt geäußert. Die befragten Jugendlichen hätten sich zudem eine Busverbindung nach Darmstadt nach 20 Uhr gewünscht, denn derzeit ist die letzte ÖPNV-Verbindung von Riedstadt nach Darmstadt freitags gegen 19 Uhr und samstags gegen 17 Uhr.
Um das Testergebnis mit in den künftigen Fahrplan einfließen zu lassen, hat der Leiter der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft (LNVG), Christian Sommer, Vertreter der AG zum Gespräch eingeladen. Die AG will dabei folgende Vorschläge machen: An den Wochenenden Freitag zu Samstag und Samstag zu Sonntag solle nach Mitternacht ab Griesheim (Endhaltestelle der Straßenbahn) eine Verbindung nach Riedstadt mit Anruf-Sammeltaxis möglich sein; die letzte Verbindung soll Anschluss an die letzte Straßenbahn aus Darmstadt haben. Bei besonderen Veranstaltungen (Zwiebelmarkt, Heinerfest, Schlossfest) soll statt der Taxiverbindung ein Bus in die Riedstädter Ortsteile fahren. Zudem solle die Buslinie K 62 freitags und samstags nach 20 Uhr noch einen Bus nach Darmstadt fahren lassen.
In der umgekehrten Richtung soll diese Buslinie K 62, die von Darmstadt über Eschollbrücken nach Riedstadt (Crumstadt) fährt - analog der Buslinie 5505, die von Darmstadt über Griesheim nach Riedstadt (via Wolfskehlen) fährt - gegen 23.15 Uhr eine Tour machen.
Die AG denkt auch über Riedstadt hinaus. Sie schlägt deshalb vor, den Fahrplan für die zusätzlichen Nachtbusse und Anruf-Sammeltaxis so zu planen, dass Mitfahrer in Riedstadt an den Bahnhöfen die fahrplanmäßig letzten Züge nach Stockstadt, Biebesheim und Gernsheim erwischen. Denn auch diese Lücke im Angebot hatten die Schüler in ihrer Befragung kritisiert.
Zur weiteren Erörterung dieses Themas und zur Auswertung der Schülerbefragung kommt die AG am 6. November um 19 Uhr im Riedstädter Umweltamt (Stahlbaustraße 4, Ruf 06158 1886711) zusammen.
Darmstädter Echo, 04.10.2002
