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Vorschlag: Modernisierungs-Netzwerk

Agenda: Susanne Schwickert stellt Ergebnisse der Studie zur energetischen Sanierung der Bausubstanz in Leeheim vor

RIEDSTADT. Etwa 50 Prozent ihrer Heizenergie könnten die Hausbesitzer sparen, die sich entschließen, ihr Haus energetisch zu sanieren. Dies war eine der grundsätzlichen Aussagen von Dr. Susanne Schwickert, die im Rahmen eines Agendaprojektes am Donnerstag dort vor etwa 20 Zuhörern ihren Untersuchungsbericht vorstellte; unter den Zuhörern waren auch die beiden Institutsleiter Professor Dirk Ipsen (Politökonomie) und Professor Peter Grübl (Massivbau) von der TU Darmstadt. Die beiden Institute sind federführend beim Riedstädter Pilot- Gemeinschaftsprojekt zur energetischen Sanierung der Bausubstanz in Leeheim.

Um zu klären, wo durch Sanierung der vorhandenen Gebäudesubstanz Energie gespart werden kann - und unter welchen technischen und finanziellen Randbedingungen - seien in den zurückliegenden zwei Jahren etwa 20 Diplomanden der TU eingesetzt worden. Die 1015 Leeheimer Wohngebäude seien typisiert worden, und mit einer Fragebogenaktion habe auch "hinter deren Fassade geschaut". Schwickert präsentierte am Donnerstag Zahlen über den aktuellen jährlichen Energieverbrauch und erläuterte, mit welchen Sanierungsschritten sich welche Energieeinsparung erzielen lasse.

Da die befragten Leeheimer oft "hohe Sanierungskosten" als Hinderungsgrund für eine energetische Sanierung angegeben hätten, ging Schwickert auch darauf ein. Sie nannte nicht nur Zahlen für die optimale Sanierung, sondern auch solche für lediglich "wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen". Die Wirtschaftlichkeit spiegelte sie dabei am derzeitigen und prognostizierten Heizölpreis. Beim "Riedhaustyp 6" - ein Gebäude der Baugenossenschaft Ried aus den fünfziger Jahren - ergaben sich bei rein technischer Betrachtung Einsparungen von 72 Prozent, unter wirtschaftlich sinnvollem Aspekt 61 Prozent.

Anschließend diskutierten Wissenschaftler, Bürger und Politiker über Möglichkeiten zur Umsetzung der Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt. Denn "das Ergebnis ermuntert uns, unbedingt weiterzumachen", sagte Peter Grübl. Die Bevölkerung könne über haustypische Heizkostenvergleiche gezielt angesprochen werden - per Flugblatt oder mit einer Ausstellung. Schwickert wies auf Internet-Check hin, mit dem jeder Riedstädter unter www.ried-stadt.de (Link: Energie-Informationssystem) selbst sein Haus und die haustypischen Energiesparmöglichkeiten prüfen könne. Eine weitere Möglichkeit sei, dass Handwerker, Ried-Verwaltung und Architekten einen Service für Hauseigentümer organisierten. Erst einmal müsse man aber durch Informationen dafür sorgen, dass bei den Leeheimern der Funke überspringt, sagte Grübl.

Die Versammelten stimmten einem "Modernisierungs-Netzwerk" aus drei Partnergruppen zu: Die "fachlichen Partner" (Handwerker, EVU, Geldinstitute, TU, Planungsbüros, Kommunen), sollten ihr Wissen einer "Energie-Beratungseinrichtung" zur Verfügung stellen und im Gegenzug von dieser über Kundenwünsche unterrichtet werden. Dritter Partner im Netzwerk sollte der Riedstädter Energietisch sein.

Zur Kreditfinanzierung für die Sanierung berichtete Dirk Ipsen aus anderen Kommunen. Dort bestehe die Vereinbarung, dass der Energieversorger die notwendigen Gelder vorschießt; der Kredit werde danach mit den eingesparten Heizkosten verrechnet.

Darüber, wie man das "Modernisierungs-Netzwerk" mit Leben erfüllen kann, wird der Energietisch bei seiner nächsten Sitzung am Donnerstag (27.) um 19 Uhr im Riedstädter Umweltamt diskutieren.

Darmstädter Echo, 10.06.2002