Wirtschaftsförderung: Erfolg sichtbar
Starkenburg: Im Landratsamt Groß-Gerau verweist Elisabeth Strasser auf verbesserte Standort-Vermarktung in Region
Seit fünf Jahren kooperieren die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und der Odenwaldkreis und die Stadt Darmstadt im Sinne der Agenda 21 mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der Region auf verschiedenen Ebenen in einem freiwilligen Zusammenschluss, der Region Starkenburg. Der Landrat des Kreises Groß-Gerau, Enno Siehr (SPD), betont die Bedeutung der Themenschwerpunkte Verkehr, Wirtschaftsförderung, Kultur sowie Hochwasser- und Klimaschutz in der regionalen Zusammenarbeit. Besonders aber am Beispiel der Wirtschaftsförderung zeige die regionale Zusammenarbeit sichtbare Erfolge.
Was bedeutet Wirtschaftsförderung in der Region Starkenburg konkret für die 78 beteiligten Kommunen und potenziellen Investoren?
Ein Standortinformationssystem bietet Kommunen die Möglichkeit, ihre Gewerbeflächen als Region gemeinsam im Internet (Standort-Starkenburg.de) zu präsentieren. Investoren können Infrastrukturdaten sowie Informationen über Schulen, soziale Angebote oder Freizeitangebote abrufen. "Dieses Medium wird zunehmend genutzt", stellt Elisabeth Strasser fest, Leiterin der Stabsstelle Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung im Landratsamt und Ansprechpartnerin im Kreis Groß-Gerau in Sachen Wirtschaftsförderung.
Anfragen von Investoren nach Gewerbeflächen gibt Strasser an alle Kreiskommunen weiter. Zeigt ein Unternehmen Interesse, vereinbart sie mit den Bürgermeistern eine Ortsbegehung. "Da gilt es, die Pfunde, die man hat, in die Waagschale zu legen", sagt Elisabeth Strasser.
Speziell für die High-Tech-Branche sei die Region Starkenburg interessant, zumal in der Wissenschaftsstadt Darmstadt wirtschaftliche Kernkompetenzen wie Informations- und Telekommunikationstechnologien, Raumfahrt- und Satellitentechnik, Pharma- und Biotechnologien sowie Maschinenbau und Elektrotechnik angesiedelt sind. Zudem gibt es in der Region mit acht Europazentralen von Automobil- und Motorradherstellern eine deutliche Konzentration. "Wir konkurrieren mit Aachen, Stuttgart oder München", so Strasser.
Als "spannend" betrachtet die Fachfrau für Wirtschaftsförderung die Tatsache, dass die Region Starkenburg nach Ranglisten der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" auf Platz zwei gleich hinter München liegt - mit dem Ruf als eine der "innovationsstärksten Technologieregionen Deutschlands". "Unternehmen siedeln sich gerne dort an, wo schon Betriebe gleicher oder ähnlicher Branchen sind", weiß Strasser. Diese Sogwirkung gelte es zu nutzen.
Interessant sei auch, dass die Quadratmeterpreise für Investoren eher von nachrangigem Interesse sind. Priorität genieße die Logistik. Der Rangliste zufolge liegt Starkenburg beim tatsächlichen Nutzungsgrad des vorhandenen Technologiepotenzials jedoch nur auf Platz 28 - eine "Aufforderung an die Politik", so Strasser, die Ressourcen zu optimieren.
Einen Ansatz zur besseren Vermarktung sieht Strasser durch die Präsenz bei großen Messen wie der Cebit. Dadurch könnten Potenziale der Region stärker vermittelt werden. Für den Kreis Groß-Gerau sei dies selbst dann ein Gewinn, wenn sich ein Unternehmen etwa im Kreis Darmstadt-Dieburg ansiedele.
Welche Serviceleistungen können Unternehmen von der Wirtschaftsförderung erwarten?
"Wir bieten Beratung und Begleitung und informieren über Förderprogramme", betont Strasser. Seit Ende 2001 gibt es zudem einen Wirtschaftsförderverein Starkenburg mit einer Geschäftsstelle in den Räumen der Industrie- und Handelkammer Darmstadt.
Neben der Standortfrage schätzen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter. Ein "Weiterbildungsatlas" (Weiterbildung-Starkenburg.de) listet mehr als 70 Weiterbildungsanbieter auf und erleichtert Unternehmen die Auswahl eines geeigneten Anbieters für Schulungen. Zielsetzung auch hier: Nicht nur Angebote aufzeigen, sondern regionale Ressourcen nutzen.
Als Ansprechpartnerin vor Ort für Betriebe unternimmt Elisabeth Strasser unter dem Stichwort "Bestandssicherung" zusammen mit Landrat Enno Siehr jährlich rund 60 Betriebsbesichtigungen im Kreis Groß-Gerau. Zur Sprache kommen dabei beispielsweise auch Probleme bei Betriebserweiterungen. In diesen Fällen greife die enge Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung im Landratsamt, die zu schnellen Entscheidungen führe. Dies für die Region zu zentralisieren, würde nach Ansicht von Strasser einem "schwerfälligen Apparat" gleichkommen.
Laut dem Ergebnis einer Umfrage sind die Unternehmen im Kreis Groß-Gerau überwiegend sehr zufrieden mit dem Standort. Seit fünf Jahren bemüht sich der Kreis explizit um Existenzgründer. 80 bis 100 Beratungen pro Jahr verbucht Sachbearbeiterin Margit Kühner. Zudem werden Seminare angeboten und alle, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, können beim monatlichen Existenzgründerstammtisch Erfahrungen austauschen.
Laut einer vor drei Jahren durchgeführten Fragebogenaktion, an der sich rund 20 Prozent der neu gegründeten Unternehmen beteiligten, konnten bis dahin 150 Arbeitsplätze im Kreis neu geschaffen werden.
In den zurückliegenden Jahren gab es nach Angaben von Margit Kühner fünf große Betriebsgründungen mit rund 25 bis 30 neuen Arbeitsplätzen pro Betrieb. Überwiegend handele es sich dabei um Handwerksbetriebe und Dienstleister.
Seit zwei Jahren, so Kühner, gibt es einen neuen Schwerpunkt: Krisenbewältigung, um im Vorfeld Hilfestellung zu leisten und so Insolvenzen möglichst zu vermeiden. "Hier haben wir Nachfragen aus der ganzen Region, dieses "Coaching" ist eine Schnittstelle zu Starkenburg", unterstreicht Elisabeth Strasser. Inzwischen beschäftigt sich ein Arbeitskreis aus Hochschule und Arbeitsverwaltung mit der Problematik mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebots in der Region.
Darmstädter Echo, 04.04.2003
