Kritik an "SPD-Blockadehaltung"
Im Umweltausschuss erneute Debatte um Energie-Beratungsstelle
Der zweite Versuch, die Empfehlung des Energietischs betreffend eine Energieberatung für Riedstadt und Umgebung umzusetzen, ist im Umweltausschuss erneut gescheitert. Bereits im August hatte das Parlament - nach anfänglichem Interesse seitens der Gemeindeverwaltung - den Vorschlag abgelehnt, muss aber am morgigen Donnerstag nochmals darüber befinden.
Professor Peter Grübl von der Technischen Universität Darmstadt (TUD), dessen Institut für Massivbau am Projekt "Altbausanierung Leeheim" arbeitet, trug jetzt im Ausschuss vor, wie notwendig eine qualifizierte Energieberatung sei, wenn Niedrigenergie-Standards - vom Energietisch für alle Neubaugebiete empfohlen und von der Gemeindevertretung für Goddelau Südost bereits beschlossen - umgesetzt werden sollen.
Informationen über technische Maßnahmen müssten angeboten werden bis hin zur Weiterbildung von Handwerkern. Energiediagnosen müssten vorgenommen werden, über aktuelle Förderprogramme sei zu informieren. Eine Beratungsstelle müsse zudem gelungene Neubau- und Sanierungsbeispiele präsentieren.
Von der SPD, die eine Beratungsstelle ablehnt, kam der Hinweis, das Geld für eine Beratungsstelle der TUD zur Verfügung zu stellen, damit diese die Aufgabe übernehmen könne; zudem schlugen die Sozialdemokraten die Beratung übers Internet vor. Fragen müssten vor Ort beantwortet werden, argumentierte Grübl dagegen. Die Riedstädter Homepage könne zwar um Fachauskünfte ergänzt werden, so die Leeheimer Projektleiterin Susanne Schwickert, doch tauge dies eher als begleitende Information.
Winfried Herbst (GLR) kritisierte "die SPD-Blockadehaltung". Auch Günter Schork (CDU) bestand darauf, dass die SPD ihre Ablehnung zurücknehmen müsse, wenn weitere Beratungen zum Ziel führen sollten. Die SPD blieb jedoch bei ihrer Meinung. Sie beantragte, aus dem Beratungsvorschlag den Passus zu streichen, mit dem die Beratungsstelle hätte eingerichtet werden können.
Der Gemeindevorstand hatte auch ein Anschreiben der TUD verteilt, in dem diese die Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Sachen Agenda mit "gewisser Sorge" betrachtet. Man habe Informationen, "dass die Arbeit des Energietisches und des auf diesem aufbauenden und mit viel Engagement der Verwaltung vorbereiteten Energieberatungszentrums gefährdet ist". Der TUD sei dies unverständlich, da diese Strategie "von allen einschlägig involvierten Instituten? zur Erreichung der Klimaschutzziele empfohlen wird". Die TUD weist die Gemeinde zudem darauf hin, sie habe Förderanfragen an die Deutsche Bundesumweltstiftung zur energetischen Sanierung Leeheims nicht weitergeleitet.
Am 12. Oktober (Donnerstag) kommt um 19 Uhr der Energie-Tisch im Rathaus Crumstadt zusammen, auch um mit den Fraktionsvorsitzenden über die "Energieberatung" zu sprechen.
Darmstädter Echo, 27.09.2000
