"Menschen fühlen sich machtlos"
Bürgerinitiative macht Politikern Verkehrssituation deutlich
Wir alle haben es als Autofahrer in der Hand, die Sicherheit auf Goddelaus Hauptverkehrsstraßen für Fußgänger und Radfahrer wieder herzustellen. Diese Erkenntnis fand eine Gruppe von Goddelauer Bürgern und Riedstädter Parlamentariern, die in der vergangenen Woche neuralgische Straßenverkehrsabschnitte in Goddelaus Ortsmitte besichtigten. Die Bürgerinitiative "Verkehrssicherheit und Lebensqualität an den Hauptverkehrsstraßen Goddelaus" (BI) hatte zu dem Rundgang eingeladen, um den Politikern die Geschwindigkeit der in den Ort brummenden Autos, den Verkehrslärm und die Enge auf den Gehwegen deutlich zu machen, wie BI-Sprecherin Corinna Albiez-Mahn berichtete. Denn "Nichtanwohner und Nichtfußgänger sind sich der Problematik meist nicht bewusst".
Nach dem Ortseingang aus Richtung Wolfskehlen habe die Gruppe einen idyllischen Innenhof in Goddelaus Mitte aufgesucht. Doch die Familien, die in den dazu gehörenden Häusern wohnen, können diesen kaum nutzen: zu laut ist der Stop-and-go-Verkehr, zu durchdringend stinkt es nach Abgasen.
Auf dem Weg in die Bahnhofstraße sei es einigen Erwachsenen in der Gruppe (ohne Gepäck oder Kinderwagen) zu eng auf den Gehwegen gewesen, da parkende Fahrzeuge nur wenig Platz ließen.
An der Ecke von Volksbank-Parkplatz und Bahnhofstraße übergaben Anwohner eine Liste von Unfällen - allein seit Januar waren es vier. Drei kamen durch überhöhte Geschwindigkeit zustande. "Der Vierte ging nur deshalb glimpflich aus, weil der Lkw-Fahrer deutlich unter fünfzig Stundenkilometer fuhr. Das in den Unfall verwickelte Kind erlitt nur leichte Verletzungen", beschreibt Albiez-Mahn. Sie habe den Politikern berichtet, dass Anwohner mittlerweile Angst vor dem vorbeirauschenden Verkehr haben. Vereinzelt hätten sich Bürger an die Gemeinde gewandt, doch zu selten sei man ihren Problemen nachgegangen. "Die Menschen, die an den Hauptverkehrsstraßen wohnen oder mit ihren Kindern dort entlanggehen, sowie Ältere, die minutenlang versuchen, diese Straßen zu überqueren, fühlen sich machtlos und allein gelassen."
Die Bürgerinitiative habe den Politikern zu bedenken gegeben, dass mittlerweile etwa 25 Prozent der Goddelauer die Forderung der BI nach mehr "Verkehrssicherheit und Lebensqualität an den Hauptverkehrsstraßen in Goddelau" unterstützen.
Die BI arbeitet eng zusammen mit der Agenda-Arbeitsgruppe "Siedlungsentwicklung und Verkehr". Beide Gruppierungen wollen am Donnerstag (14.) um 19.30 Uhr in der Volkshochschule (Erfelden, Wilhelm-Leuschner-Straße 21) mit Bürgermeister Gerald Kummer ins Gespräch kommen.
Darmstädter Echo, 12.09.2000
