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Aus Ideen wurden konkrete Schritte

Bund für Umwelt und Naturschutz verleiht Riedstädter Energietisch dafür die Umwelteule

RIEDSTADT (hhh). "Wer sich für die Umwelt einsetzt, hat sich heute häufig zu rechtfertigen", materielle Ziele und das Arbeitsplatz-Argument haben in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert. Dies konstatierte Professor Dr. Hans Reiner Böhm von der TU Darmstadt am Mittwoch während der Jahresversammlung des Groß-Gerauer BUND-Kreisverbandes. Der BUND verlieh die "Umwelt-Eule" an den Riedstädter Energie-tisch für dessen "positive Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz". Böhm würdigte das umweltbewusste Handeln dieser Riedstädter Agenda-Arbeitsgruppe: Der Energietisch, in dem Riedstädter Bürger, Architekten, Umweltingenieure, Energieversorger, Handwerker, die TU und die Gemeinde vertreten sind, hat für das Baugebiet Goddelau-Südost in etwa zweijähriger Arbeit Leitlinien für eine ökologisch und ökonomisch optimale Energieversorgung und -nutzung aufgestellt. Das Riedstädter Parlament hat danach diese Empfehlungen als Beschluss umgesetzt.

Professor Böhm wies darauf hin, dass etwa "acht Jahre nach Rio noch keine Entwarnung gegeben werden kann". Die weltweiten Prozesse liefen einer nachhaltigen Entwicklung häufig zuwider. Deshalb sei es nicht hoch genug einzuschätzen, wenn Bürger zukunftsweisende Ideen in Agenda-Arbeit einbringen und die Gemeinde sie danach in Regelungen umsetzt, "wie Sie es hier tun". Er erinnerte die Entscheidungsträger jedoch auch daran, dass "das freiwillige Engagement der Bürger ein empfindliches Gut ist, mit dem pfleglich umgegangen werden muss". Aus der mehrjährigen Agenda-Arbeit in Riedstadt - die von der TU unterstützt wird - sei zu schließen, "dass dieser Prozess Bestand haben wird", so seine Prognose.

Die verliehene "Umwelt-Eule" wird im Riedstädter Umweltamt, der Koordinationsstelle für die Agenda-Arbeit, ihren Platz bekommen. In den Jahren zuvor wurde diese Auszeichnung an Ginsheim (Abfallkonzept), an den Landeswohlfahrtsverband Hessen (fortschrittliche Heiztechnik), an die Stadt Rüsselsheim (Energieberatung/Umweltpolitik) und an eine Hauseigentümergemeinschaft in Mörfelden-Walldorf wegen deren Energiekonzept verliehen.

Am selben Abend verlieh der Bund für Umwelt und Naturschutz auch den "Umwelt-Hammer" für herausragende negative Entscheidungen im Umwelt- und Naturschutz an den Landtags- abgeordneten Rudi Haselbach (CDU). Dieser habe sich unter anderem dadurch hervorgetan, dass er "aus populistischen Motiven" das Naturschutzgebiet "Ginsheimer Altrhein" verhindert habe. Jörg Nitsch, Vorsitzender des Landes-Naturschutzbeirats, berichtete über die Bemühungen des BUND seit 1986, dieses Gebiet als entsprechend schutzwürdig auszuweisen - über die Verhandlungen mit Anglern, Jägern, Bürgermeistern, über Verhandlungsrückschläge und letztlich über die Einzelinitiative des Rudi Haselbach. Er bekomme "symbolisch für alle, die sich gegen das Naturschutzgebiet gewandt haben", diese Auszeichnung. Haselbach ließ sich am Mittwoch vertreten.

In der anschließenden knapp halbstündigen Jahresversammlung berichtete Vorsitzender Peter Zeisler über verfasste Stellungnahmen zum HIM-Humanmonitoring, zu den Wasserrechten der Wasserwerke Gerauer Land, zum "Ginsheimer Altrhein" wie zu zahlreichen Verfahren, in denen der BUND als Träger öffentlicher Belange gehört wurde. Zur geplanten Erweiterung des Flughafens berichteten Mörfelder Mitglieder über ihre Aktionen.

Darmstädter Echo, 17.03.2000