Damit Wärme nicht weiterhin verpufft
Agenda-Projekt in Leeheim befasst sich mit Erfassung und Sanierung von Altbauten
Die effizienteste und kostengünstigste Sanierungsvariante, mit der Energie in Wohngebäuden eingespart werden kann, soll in Leeheim ermittelt werden. Ein entsprechendes Projekt, das von der Technischen Universität Darmstadt (TU) und der Gemeinde Riedstadt im Rahmen der Lokalen Agenda 21 getragen wird, begann mit einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend. Professor Peter Grübl (Institut Massivbau) erläuterte etwa 30 Zuhörern Hintergrund und Ziele der Aktion.
Der Weltenergieverbrauch steige nicht linear, sondern exponentiell, so der Referent. Gemessen am Verbrauch von 1880 würden heute etwa 30 Mal mehr Ressourcen (Erdgas, Öl, Kohle und Kernkraft) zur Energieerzeugung verwendet. Im gleichen Verhältnis steige auch der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre.
Während in früheren Zeiten sich CO2-Produktion und -Abbau etwa das Gleichgewicht gehalten hätten - durch geringeren CO2-Ausstoß und größere Waldflächen - sei dieses Verhältnis jetzt außer Tritt geraten. Grübl belegte mit Zahlen, dass sich in Folge dessen die globale Mitteltemperatur der erdnahen Atmosphäre merklich erhöht hat: 1880 waren es noch 14,5 Grad Celsius, 1950 im Schnitt 15,0 Grad und 1990 etwa 15,2 Grad Celsius - mit steigender Tendenz.
Um diesen Trend zumindest abzubremsen, müsse die CO2Emission reduziert werden: In Deutschland mache die Heizenergie etwa ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs aus, erläuterte Grübl. Ein Großteil davon verpuffe bei Altbauten in Folge ungenügender Wärmedämmung ungenützt. Deshalb habe man bei dem in Leeheim anvisierten Agenda-Projekt speziell Altbauten - sie stammen aus der Zeit vor 1984 - im Blick. Das Projekt solle bis Ende des Jahres Hausbesitzern realistische und umsetzbare Informationen bieten, "um das eigene Haus zu sanieren und um merklich Heizkosten zu sparen".
Zu diesem Zweck würden etwa ab Montag (6.) Fragebögen an die Leeheimer Haushalte verteilt, erläuterte Susanne Schwickert, die als Diplom-Ingenieurin für die TU das Projekt betreut. Die Befragung solle einen Überblick geben über Bausubstanz, Gebäudealter und -nutzung, Energiebedarf und Einstellung zu möglichen energetischen Sanierungsmaßnahmen. Bisher existiere ein von der TU aufgestellter Lageplan von Leeheim, der grob Aussagen zur energetischen Qualität der Gebäude ermögliche.
Die Fragebogen sollen bis zum 31. März beantwortet werden. Mit ihrer Hilfe werde dann eine Übersicht entstehen, in der die Gebäude zu Typen bezüglich Energieverbrauchs und möglicher Sanierungen zusammen- gefasst sind.
Der dritte Projektschritt solle Hausbesitzer, Handwerker, Banken, Baugesellschaften, Mietvereine, Energieberater in das Projekt einbinden, um zur sinnvollen technischen Lösung auch eine wirtschaftliche Variante für die energetische Sanierung der Gebäude zu finden.
In der Diskussion betonten die Vortragenden wie auch Bürgermeister Gerald Kummer , das Projekt bringe eine außergewöhnliche Chance für den Ortsteil: Auch weil jeder, der sich daran beteilige, kostenlos Erkenntnisse über sein Haus sammeln könne, nicht nur über Wärme-Schwachstellen, sondern auch über den finanziellen Nutzen von Teil-Sanierungsmaßnahmen. Was etwa der Austausch der Fenster bringe und was die nachträgliche Isolierung der Kellerdecke.
Bereits am Mittwoch nahm die TU mit der Agenda-Arbeitsgruppe Energietisch Kontakt auf und stellte ihr Projekt vor. Grübl und Schwickert diskutierten insbesondere Schritte der Umsetzungsphase, wie Erwartungen der Hausbesitzer umgesetzt werden müssen. Energietisch und TU-Initiatoren vereinbarten eine weitere enge Zusammenarbeit.
Kontaktadressen: Diplomingenieurin Susanne Schwickert, Telefon 06151/163945, und die Agenda-Koordinationsstelle beim Riedstädter Umweltamt, Telefon 06158/181701.
Darmstädter Echo, 18.02.2000
