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Vertiefung von Gräben ist nicht sinnvoll

Entwässerungssystem nur teilweise verändern

RIEDSTADT (hhh). Vertreter des Astheim-Erfelder Entwässerungsverbandes waren am Montag bei der Agenda-Gruppe "Außenrum" (AG) zu Gast. Die AG wollte mit den Verbandsvertretern die Einzelheiten angestrebter Renaturierungen zu besprechen - wie beispielsweise die Veränderung der Wasserführung in den Entwässerungsgräben westlich von Erfelden und Leeheim mit dem Ziel, dort das Wasser länger zu halten.

An den Entwässerungsgräben soll allmählich die Entkoppelung von Rhein und Auen parziell wieder aufgehoben werden; zudem sollen die Gewässer strukturreicher werden. Beides sei notwendig, um bestimmten Fischarten und Amphibien wieder einen Lebensraum zu schaffen. Hintergründe dazu hatte sich die AG aus einer Dissertation über die Bestandsentwicklung der Fischarten vortragen lassen; der Verfasser Dr. Egbert

Johannes Korte war am Montag mit in der Diskussionsrunde.

Die von der AG vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen reichen von veränderter Pflege der Gräben über veränderte Beschattung der Gewässer bis hin zu Grabentaschen als Rückzugsgewässer für Tiere und Pflanzen.

Ihr Hauptanliegen, die Entwässerungsgräben teilweise zu vertiefen, um in den trockenen Sommermonaten Rückzugsmöglichkeiten für Amphibien und Jungfische zu schaffen, kann die AG nicht weiter verfolgen: Hans Hannemann, Vorsitzender des Astheim-Erfelder Entwässerungsverbandes, erklärte, dass jede Vertiefung der Gräben bei Hochwasser zur Quelle werden könne: "Wir kriegen die Entwässerung dann nicht mehr in den Griff."

Auch der Vorschlag, Schwellen in den Gräben anzulegen mache keinen Sinn, da das Gefälle zu gering sei und das Wasser versickere. "Schwellen machen nur Sinn bei Fließgewässern", sagte Hannemann. Er bestätigte, dass der Verband, wenn das Frühjahrshochwasser abfließt, "die Rheindeiche schließt, um für die Felder das Wasser zu halten".

Die von der AG gewünschte abschnittsweise Pflege der Gräben "wird heute schon gemacht", sagte Hannemann, "aus Personalmangel". Hauptgräben könne der Verband nicht vernachlässigen, da plötzliches Hochwasser eventuell nicht zügig abfließen könne. Bei Gräben zweiter und dritter Ordnung oder solchen, die Naturschutz gebiete und nicht Äcker entwäs-sern, könne die Pflege zurückgefahren werden. Hannemann betonte in diesem Zusammenhang, das Grabensystem dürfe in seiner Funktion, Wasser abzuführen, nicht wesentlich eingeschränkt werden: Ausgemähte Gräben erhöhten die Fließgeschwindigkeit des Wassers erheblich, sagte er.

Auch Grabentaschen können voraussichtlich angelegt werden: Parallel zum Entwässerungsgraben und mit ihm verbundene, sollen die etwa eineinhalb Meter tiefen Miniteiche Fischen, Amphibien und Pflanzen einen ungestörten Rückzugsraum bieten. Da sich in der Flur "Großes Michelried" - einer Senke zwischen Leeheim und Rhein, die zugleich Naturschutzgebiet ist - eine Fläche anbietet, bei der weder Landwirte noch Entwässerungsverband Bedenken gegen Grabentaschen hätten, soll im Gespräch mit dem Regierungspräsidium Darmstadt und der Gemeinde Riedstadt die Umsetzung ausgelotet werden. Moderatorin Elke Müller-Volg wird die Zuständigen zu einem Ortstermin einladen.

Die nächste AG-Sitzung ist am 1. März (Mittwoch) um 19.30 Uhr im Rathaus Crumstadt. Es geht um Veränderungen am Fließgewässer "Sandbach".

Weitere Informationen zur Riedstädter Agenda-Arbeit gibt die Koordinationsstelle im Umweltamt telefonisch unter der Rufnummer 06158/181701.

Darmstädter Echo, 04.02.2000