Zum eigentlichen Inhalt | globale Navigation | rubrikbezogene Navigation
Tastaturkürzel | Sitemap |

"Anfang ist gelungen"

Stromtalwiesen: Mehrere Stellen wirken konstruktiv zusammen, um das Riedstädter Projekt voran zu bringen - Einer der am stärksten gefährdeten Lebensräume

RIEDSTADT (evs). "Die Renaturierung der Stromtalwiesen ist ein einfacher Beitrag, den Menschen wieder Natur zum Erleben und Anfassen zu ermöglichen", betont die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Margareta Wolf, Schirmherrin des Stromtalwiesen-Projektes. Zum Thema "Erprobung und Entwicklung von Verfahren zur Renaturierung und integrierten landwirtschaftlichen Nutzung von Stromtalwiesen am hessischen Oberrhein" begrüßte Bürgermeister Gerald Kummer sie und alle maßgeblich Beteiligten im Rathaus in Goddelau.

Ehe sich die Delegation hinter dem Rhein-Winterdeich in Höhe Funkmessstation Leeheim an einer der bearbeiteten Stromtalwiesenflächen vom Ergebnis der bisherigen Bemühungen überzeugte, informierte der Projektkoordinator der Gemeinde Riedstadt, Matthias Harnisch, über die bisher erfolgten Renaturierungsmaßnahmen.

Sie sind bisher auf rund 47 Hektar in Angriff genommen worden. Zehn weitere sind in Planung.

Seien in Osteuropa Stromtalwiesen noch relativ häufig zu finden, so gehörten sie in Mitteleuropa zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen überhaupt. Daher seien die in zwei Kategorien eingeteilten Wiesentypen nach Anhang 1 der Flora- und Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union geschützt.

Ziel des Riedstädter Projekts ist, die noch vorhandenen Stromtalwiesenbestände am hessischen Oberrhein auszuweiten und einen Auengrünlandverbund zu schaffen, Verfahren zur gezielten Ansiedlung von seltenen Pflanzenarten der Stromtalwiesen zu erproben sowie die Möglichkeiten einer mit Naturschutzzielen verträglichen und gleichzeitig ökonomisch tragfähigen landwirtschaftlichen Nutzung. Auch soll die Eignung des Renaturierungsverfahrens für Naturschutz und Ausgleichsmaßnahmen im Allgemeinen erforscht werden. Samenhaltiges Mahdgut aus vorhandenen Wiesenflächen (Heublumensaat) wurde aufgetragen. Als Spenderflächen dienten die vorhandenen Stromtalwiesen in den Naturschutzgebieten Kühkopf-Knoblochsaue, Riedwiesen von Wächterstadt, Bruderlöcher, Riedloch von Trebur und Kornsand und Schacht bei Geinsheim. Denn diese Stromtalwiesenreste zeichneten sich durch einen bemerkenswerten Reichtum an überregional seltenen und gefährdeten Stromtalarten aus.

Die ein- bis zweimal im Jahr geschnittenen Wiesen seien auf eine mäßige landwirtschaftliche Nutzung angewiesen, so Harnisch. Dafür günstig sei, dass in Riedstadt bei Pferdehaltern und einem Schäfer große Nachfrage nach der Mahd herrsche.

100 seltene und wichtige Pflanzenarten seien bereits übertragen worden, so das Fazit. Davon stünden 25 auf der Roten Liste, wie etwa das Hohe und Niedere Veilchen, die Färberscharte, der Teufelsabbiss, besondere Lilienarten, Lungenenzian und der langblättrige Ehrenpreis.Auch im Bereich der Fauna seien schon positive Entwicklungen zu verzeichnen. Maßgeblich an diesem Projekt beteiligt sind das Bundesamt für Naturschutz in Bonn, die Gemeinde Riedstadt, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt, das Forstamt Groß-Gerau und verschiedene Landwirte.

Nur die konstruktive Zusammenarbeit aller habe dieses Projekt ermöglicht, betonte Professor Anette Otte, die Leiterin des Projekts der Uni Gießen: "So etwas kann nur realisiert werden, wenn alle es wollen". Sie habe noch kein Forschungsvorhaben geleitet, das derart konfliktfrei gelaufen sei.

Die Zurückbildung von Wiesen aus Ackerland bedürfe zwar langer Zeit, aber der Anfang sei als gelungen zu bezeichnen.

Darmstädter Echo, 09.06.2005