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Rheinkiesel als Währungseinheit

Tauschbörse: Im Ried gibt es sie seit fünf Jahren: Jede Arbeit ist gleichwertig, und auf dem ?Konto? zählt nur die Zeit

RIED. Die Idee ist bestechend: Dienstleistungen nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Das hat nichts mit Schwarzarbeit oder Zechprellerei zu tun, aber viel mit Nachbarschaftshilfe. Denn Tauschringe bieten das Prinzip ?Hilfst du mir, helf? ich dir? in organisierter Form an, damit mehr Leute jemanden finden können, der ihnen bei Bedarf mit seiner Erfahrung oder seinem Wissen weiterhilft. Tauschringe gibt es mittlerweile in vielen Städten und Regionen, der im Ried heißt ?Tauschwas? und wurde vor fünf Jahren gegründet.

Über zwanzig Mitglieder hat der Verein inzwischen, und die profitieren von dem einfachen System: Jeder legt fest, was er gut kann und darum auch für andere tun würde ? ob es Kochen oder Backen ist, Rasenmähen oder eine Handarbeit, Hunde ausführen oder den Abfluss reparieren. Das wird regelmäßig im ?Marktblatt? veröffentlicht, wo auch Gesuche stehen: Wer passt im Urlaub auf meinen Sittich auf, wer fährt mich einmal pro Woche zum Arzt, wer bringt mir Spanisch bei? Je mehr Mitglieder der Tauschring hat, desto wahrscheinlicher findet sich für jedes Problem des Alltags auch ein Helfer.

Es gilt das Prinzip: Jede Arbeit ist gleich viel wert, festgehalten wird nur die benötigte Zeit. Damit die hilfreichen Dienstleistungen nicht nur paarweise getauscht werden können, hat jeder Tauschring eine Währung, beim Verein Tauschwas sind es die ?Rheinkiesel?: Eine Viertelstunde Arbeit entspricht einem Rheinkiesel. Wer also eine Stunde lang ein anderes Mitglied in die Geheimnisse des Paella-Kochens einweiht, hat vier Rheinkiesel auf dem Konto und kann sich dafür wieder von irgendeinem Mitglied eine Stunde helfen lassen.

Schnell haben sich Stammkunden gefunden: Da gibt es die Dame, die so gut schneidern kann, und dieser pensionierte Handwerker kennt sich mit der Haustechnik so gut aus ... . Wer mehr für andere tut, als er selbst braucht, kann dafür an anderer Stelle Geld sparen: Weil die Gemeinde Riedstadt ebenfalls Tauschwas-Mitglied ist, kann man seine Rheinkiesel auch für Eintrittskarten zu Kulturveranstaltungen eintauschen. Als weiteres institutionelles Mitglied ist das Mütter-Aktions-Zentrum (MAZ) bei Tauschwas dabei. Nebeneffekt beim Tauschen ist, dass sich der Bekanntenkreis erweitert. Viele, die sich so kennen gelernt haben, unternehmen inzwischen auch privat einiges zusammen. Weil das Alter zwischen 28 und 72 Jahren liegt, lassen sich für viele Aktivitäten Gleichgesinnte finden.

Damit das gesparte Geld nicht gleich wieder fällig wird, ist der Mitgliedsbeitrag für den Verein gering; zurzeit sind es fünf Euro pro Jahr. Auch das wird durch die Unterstützung Riedstadts möglich, wo Barbara Stowasser vom Umweltamt den Tauschring administrativ unterstützt. Tauschwas ist Teil der Lokalen Agenda Riedstadts, die Teilnehmer aber kommen auch aus Stockstadt, Trebur oder Groß-Gerau. Wer Fragen zum Tauschring hat oder Mitglied werden will, bekommt Auskunft bei Barbara Stowasser (Rufnummer 06158 181702) oder Carola Bergner (06158 6695).

Darmstädter Echo, 09.12.2004