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Interessen selbst vertreten

Kinder- und Jugendbeirat: Riedstädter Jugendpflege bereitet Gründung eines solchen Gremiums vor

RIEDSTADT. RIEDSTADT. Für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis knapp 18 Jahren will die Gemeinde Riedstadt einen Beirat einrichten. Dieser soll sich für die Belange und Wünsche junger Menschen einsetzen, für mehr Mitsprache sorgen und dafür, dass manche Angelegenheit schneller behandelt wird, die Kinder und Jugendliche betrifft.

Die Jugendpflege der Gemeinde bereitet derzeit die Gründung des Gremiums vor. ?Wir haben bereits eine Reihe von Rückmeldungen aus Vereinen, Parteien und Schulen?, sagt Heiko Wambold. Auch die Jugendlichen, die regelmäßig in die Jugendhäuser kommen, seien schon angesprochen worden. Interesse am Kinder- und Jugendbeirat sei offenbar vorhanden. Es sei ein Start mit dem Ziel, Jugendlichen mehr Gehör zu verschaffen. Wie die Beispiele aus anderen Kommunen zeigten, könnten sich daraus aber später auch andere Formen und Modelle der Mitarbeit entwickeln: Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Jugendforum. Harald Herdegen, Mitarbeiter der Jugendpflege Mörfelden-Walldorf, werde bei der Infoveranstaltung zum Kinder- und Jugendbeirat am 27. Januar im Rathaus Goddelau über die Erfahrungen in dieser Kommune berichten.

?Wir müssen erkennen, was bei uns möglich ist?, so Wambold. Mindestens vier Mal im Jahr solle der Beirat, dem zwischen fünf und 15 Mitglieder angehören können, künftig zusammenkommen. Der Vorsitzende der Riedstädter Gemeindevertretung, Werner Amend, werde die erste Sitzung des Beirats leiten. Dann sei Selbstorganisation das Ziel: An der Entwicklung des Regelwerks (Satzung, Geschäftsordnung) sollen die Jugendlichen mitwirken. Betreut werden die im Beirat Aktiven, die für die Dauer von zwei Jahren benannt sind, von der Jugendpflege. Für die Arbeit des Gremiums stünden im Jahr 1500 Euro zur Verfügung; für einzelne Projekte gebe es eventuell zusätzliche Mittel.

Jugendliche und Kinder werden anders wahrgenommen, wenn sie direkt ihre Interessen artikulieren, sagt Heiko Wambold. Sie könnten über den Beirat auch auf politischer Ebene Druck machen. Schwierig werde vermutlich, Kontinuität in der Arbeit des Kinder- und Jugendbeirats zu erzielen, denn Aktive wachsen immer wieder aus der Verantwortung heraus, irgendwann ist die Altersgrenze überschritten.

Das bedeutet, dass das Interesse an der Jugendarbeit ? von Jugendlichen, für Jugendliche ? wach gehalten werden muss. Dazu hat die Jugendpflege auch schon eine Idee entwickelt: Ab Frühjahr könnte mittels ?Talk Box? in Erfahrung gebracht werden, was die jungen Leute denken und wollen. Ein Bus würde dazu durch die Ortsteile fahren, in dem Interviews geführt werden. Die Vorschläge der Jugendlichen würden aufgezeichnet und ausgewertet. Daraus könnten weitere Projekte entstehen. Ziel sei, breitere Schichten anzusprechen, nicht nur Jugendliche aus den Jugendhäusern, um die Interessen unterschiedlicher Gruppen zu erfahren.

Aus der vorbereitenden Beschäftigung mit dem Thema Jugendbeirat ? Kontakte gab es zum Beispiel mit Raunheim, Trebur und Nauheim ? entstand bereits der Entwurf einer Geschäftsordnung für den Kinder- und Jugendbeirat; er soll dann den Bedürfnissen der handelnden Beiratsmitglieder angepasst werden.

Darin heißt es: ?Der Kinder- und Jugendbeirat vertritt die Interessen der Kinder und Jugendlichen der Gemeinde. Er berät die Organe der Gemeinde in allen Angelegenheiten, die Kinder und Jugendliche berühren. Gemeindevertretung, Gemeindevorstand sowie die Ausschüsse sollen den Kinder- und Jugendbeirat zu allen wichtigen Angelegenheiten, die Kinder und Jugendliche betreffen, anhören. . . . Der Kinder- und Jugendbeirat hat darüber hinausgehend ein Vorschlagsrecht in allen Angelegenheiten, die Kinder und Jugendliche betreffen. Vorschläge reicht er schriftlich beim Gemeindevorstand ein.?

Wer sich für den Riedstädter Kinder- und Jugendbeirat interessiert, kann am 27. Januar (Donnerstag) um 18 Uhr in die Caféteria des Rathauses Goddelau kommen. Dort gibt es Informationen über die Arbeit solcher Einrichtungen. Die konstituierende Sitzung des Beirats ist für 24. Februar 2005 geplant, dann im Jugendhaus Goddelau.

Darmstädter Echo, 17.12.2004